Im großen Wald wohnte ein kleiner Igel namens Emil. Emil hatte weiche Stacheln, dunkle Knopfaugen und ein großes Herz. Am liebsten mochte er schöne Lieder.
Jeden Abend traf sich der Waldchor auf der Moos-Lichtung. Frau Amsel leitete die Musik. Der Frosch quakte tiefe Töne: „Qua, qua!“ Die Grille zirpete fein. Die bunten Vögel trällerten fröhlich dazu.
Emil saß oft hinter einem Farnblatt und lauschte. Er wünschte sich so sehr, im Chor mitzusingen. Aber Emil war furchtbar schüchtern. Jedes Mal, wenn er vortreten wollte, zitterten seine Pfoten. Schnell rollte er sich zu einer runden Kugel zusammen. „Meine Stimme ist bestimmt zu leise“, dachte Emil traurig.
Eines Abends übte der Chor ein Schlaflied für die Waldkinder. Die Tiere gaben sich Mühe, doch das Lied klang viel zu laut und wild.
„Halt, halt!“, rief Frau Amsel und schüttelte die Flügel. „Ein Schlaflied muss die Augen schwer machen. Uns fehlt ein sanfter, warmer Ton.“
Die Tiere blickten sich ratlos an. Niemand wusste weiter.
Da raschelte es im Farn. Ganz leise summte Emil mit: „Mmh, mmh, la-la-la.“ Es klang wie ein warmer Sommerwind im Laub.
Frau Amsel neigte das Köpfchen. „Wer summt denn da so zauberhaft?“
Emil erschrak. Er zog schon den Kopf ein. Doch das kleine Eichhörnchen hüpfte zu ihm und sagte freundlich: „Komm hervor, kleiner Igel! Bitte versteck dich nicht!“
Emil streckte vorsichtig seine Stupsnase heraus. Alle Tiere sahen ihn lieb an. Niemand lachte. Da fasste sich Emil ein Herz und tippelte tapfer auf die Lichtung.
Frau Amsel zählte an: „Eins, zwei, drei!“
Emil sang mutig mit. Seine leise Stimme passte perfekt zu der Melodie. Sie machte das Lied kuschlig und weich. Bald schliefen alle Waldkinder friedlich ein.
Emil strahlte über das ganze Gesicht. Nun wusste er: Man muss nicht laut sein, um etwas Wundervolles beizutragen. Auch leise Stimmen sind wichtig.