Es war einmal eine kleine Prinzessin namens Leni. Leni mochte keine glitzernden Kronen. Sie trug viel lieber feste Lederstiefel.
Heute fand im Schloss der große Königsball statt. Der König und die Königin zogen feine Samtkleider an. Doch Leni wollte nicht im Kreis tanzen. Tief im Felsenwald lebte nämlich ein wilder Drache. Er spuckte heiße Funken, weil er so furchtbar einsam war. Niemand traute sich zu ihm. Leni aber wollte den Drachen zähmen.
Es gab ein altes Zaubergesetz: Nur wer drei gute Taten vollbringt, vertreibt die Wut des Drachen.
Leni packte ihre Tasche und lief los. Am Waldrand traf sie eine kleine, kluge Maus. Die Maus war Lenis Helferin. „Nimm diese Zauberbeere mit“, piepste das Tierchen. „Sie schenkt Frieden.“
Leni stieg mutig zur dunklen Drachenhöhle hinauf.
Zuerst blies der Drache eine dicke Rauchwolke aus. Leni lief nicht weg. Sie rollte ihm einen süßen Honigapfel zu. Der Drache fraß ihn und schmatzte leise.
Als Zweites stampfte der Drache wild auf den Boden. Die Steine wackelten. Da nahm Leni eine Bürste und strich sanft über seinen stacheligen Rücken. Der Drache schloss die Augen und seufzte erleichtert.
Zum dritten Mal öffnete das Tier das Maul und knurrte leise. Leni lächelte, reichte ihm die Zauberbeere und sang ein ruhiges Lied.
Da geschah eine magische Verwandlung! Die harten Schuppen des Drachen wurden samtweich und glänzten smaragdgrün. Aus dem wilden Untier wurde ein sanfter, lieber Freund.
Der Drache nahm Leni vorsichtig auf seinen Rücken. Gemeinsam flogen sie zum Schlosshof. Die Gäste staunten und freuten sich riesig. Niemand saß mehr still am Tisch, denn alle tanzten fröhlich mit dem Drachen im Mondschein.
Wenn man mutig seinem eigenen Herzen folgt und freundlich ist, findet man die besten Freunde.